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Geschichte |
Die Hospizidee und Entwicklung von Palliative CareDie "Pflege im Hospiz" basiert auf einer langen Pflegetradition, denn sie geht auf die "hospitallers" (Hospitaliter-Ordensgemeinschaften, die sich der Krankenpflege widmen) der mittelalterlichen europäischen Traditionen zurück, die den durchreisenden Pilgern Pflege und Rast - Gastlichkeit - boten. Die ersten Pioniere der Palliative Care in Großbritannien, wie z. B. Cicely Saunders, wählten diese Bezeichnung mit Bedacht aus. Sie verstanden darunter eine Beziehung, in der Pflege (nicht nur medizinische Behandlung) ohne jede Bedingung und ohne Einflussnahme auf das Ziel des Reisenden gewährt wird. Es geht darum, die Reise des Patienten zu respektieren und zu unterstützen, und nicht darum, dass der Patient sich die Ziele der Einrichtung zu Eigen macht. Der Begriff beinhaltet implizit auch die Vorstellung von einer Reise durch das Leben und möglicherweise über den Tod hinaus, einer Reise, die ein Ziel und einen Sinn hat. Diese Vorstellung ist nicht in konventionelle religiöse Begriffe gekleidet, aber sie deutet zweifellos an, dass die Pflege der Seele ebenso ernst genommen wird wie die Pflege des Körpers. In Großbritannien wurde die moderne Hospizbewegung in den sechziger Jahren zunächst außerhalb des staatlichen Gesundheitsdienstes von Saunders und Gleichgesinnten entwickelt, die der Ansicht waren, dass es in den vorhandenen Einrichtungen des staatlichen Gesundheitsdienstes einzig und allein darum ging, Krankheitsprozesse mit medizinischen Maßnahmen zum Stillstand zu bringen oder zu heilen, wobei der Tod meistens negativ als Misserfolg der Behandlung bewertet wurde. Cicely Saunders schrieb im fahre 1957 erstmalig über die Pflege sterbender Menschen, und ein Jahrzehnt später wurde in London das erste Hospiz, St Christopher's eröffnet. Die Hospize waren, getrennt von Krankenhäusern und Krebsstationen, in separaten Gebäuden untergebracht. Sie hatten ihr eigenes Personal, bestehend aus Pflegeteams, Therapeutlnnen, Geistlichen, SozialarbeiterInnen und ÄrztInnen. In ihrem Bemühen, das Sterben und den Tod von der Medizin und den Fachleuten zu trennen, nahmen die ersten Hospize gern die freiwillige Hilfe von Gemeindemitgliedern an. Der Kampf um das finanzielle Überleben spielte für diese Hospize wohl auch eine Rolle bei ihrer Entscheidung, diese kostenlose Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Pflege war in erste Linie für KrebspatientInnen mit kurzer Lebenserwartung gedacht und hatte zum Ziel, den Patienten als Mensch und nicht als Problem zu behandeln. Der Tod wurde als Ereignis oder Prozess gesehen, den es zu unterstützen und sogar zu begrüßen galt, und nicht als Feind, der um jeden Preis bekämpft werden muss.Medizinische Behandlungen wurden zwar zur Linderung und Beseitigung quälender Symptome eingesetzt, sie waren jedoch dem allgemeinen Pflegeansatz untergeordnet. Es war das Anliegen der Hospize, eine sichere und unterstützende Umgebung sowie Möglichkeiten zum Reden, Zuhören und Nachdenken zu schaffen und den PatientInnen zu helfen, ihre Unabhängigkeit und Kreativität so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus ging es den Hospizen auch darum, mit den Familienangehörigen der PatientInnen zu arbeiten, die einerseits als wichtige HelferInnen des Pflegeteams, aber auch als Menschen gesehen wurden, die vor und nach dem Tod des Patienten selbst Hilfe benötigen könnten. Der Begriff "Palliative Care" hat seinen sprachlichen Ursprung im lateinischen Wort "Pallium", was übersetzt etwa so viel wie "Mantel oder Umhüllung" bedeutet. Der Kanadier Balfour M. Mount gilt als Urheber des Begriffes "Palliative Care", die Idee für dieses Konzept ist allerdings schon Jahre zuvor im Rahmen der britischen Hospizbewegung entstanden: Die Hospizidee gründet auf der Vorstellung, dass nur in eigenen Häusern außerhalb der Regelversorgung der Tabuisierung des Sterbens entkommen werden und ein neuer Umgang erlernt werden kann (Woodruff 1999), was zur Schaffung zahlreicher frei stehender Hospize führte. Da Saunders selbst dem christlichen Glauben sehr verbunden war, weisen die Hospizbewegung und sämtliche ihrer Einrichtungen enge spirituelle Bezüge auf (Bradshaw 1996). Die Zielgruppe bildeten in erster Linie Menschen mit unheilbaren Tumorerkrankungen. Hospize, allen voran das St. Christopher Hospice, wurden auch als Forschungs- und Ausbildungszentren verstanden, weshalb mit dem Jahr 1967 auch die Anfänge von "Palliative Care" als eigenständigem Forschungsgebiet zu datieren sind (Saunders 1984d). In den siebziger und achtziger Jahren breitete sich die Hospizidee im gesamten angloamerikanischen Raum aus, wo sehr bald ein hoher Organisationsgrad erreicht wurde (Blues/Zerwekh 1984). Balfour M. Mount versuchte die konzeptionelle Engführung der ursprünglichen Hospizidee zu erweitern. Der Saunders-Schüler eröffnete 1974 eine Abteilung für unheilbar Kranke innerhalb des Royal Victoria Hospital in Montreal, Kanada (Torrens 1985). Die Eröffnung des St. Christopher Hospice 1967 löste eine landesweite "Bewegung" aus, die vor allem in den späten siebziger und achtziger Jahren in eine Gründungswelle mündete, wobei sich die Mehrzahl der Hospize außerhalb des staatlichen englischen Gesundheitssystems positionierte (James/Field 1992). Nach Clark (1994) stellt das Beibehalten des Zieles, neue stationäre Hospize zu errichten, ein zentrales Merkmal der britischen Entwicklung dar. Schon im 1980 veröffentlichten "Wilkes-Report", wurde die Empfehlung ausgesprochen, keine neuen Häuser zu errichten, sondern stattdessen Strukturen zu entwickeln, mit deren Hilfe eine Verbesserung der Situation Sterbender in Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens erreicht werden könnte. Solche Angebote gab es schon sehr früh: 1969 nahm angegliedert an das St. Christopher Hospice der erste ambulante Hospizdienst seine Arbeit auf, und 1978 wurde das erste Beratungsteam (Palliative Care Support Team) innerhalb eines Krankenhauses eingerichtet (Saunders 1984a). Nichtsdestotrotz war noch Anfang der neunziger Jahre das Ziel von 4/5 aller lokalen Hospizgruppen ein stationäres Hospiz zu errichten (Clark 1994). Erst im Zuge der NHS-Reformen in den neunziger Jahren wurden einige Häuser aus ökonomischen Gründen wieder geschlossen und verstärkt beratenden Angeboten, wie z.B. den Support Teams, Beachtung geschenkt (vgl. Robbins 1999). Im Lauf der Zeit entwickelte sich der Begriff "Hospiz" vom rein stationären Haus zu einem Konzept für die Begleitung Schwerkranker, Sterbender und ihrer Angehörigen. Es geht bei der Hospizarbeit nicht darum, neue Institutionen zu errichten, sondern vielmehr um die Umsetzung der Hospizidee. Grundlage hierfür sind die so genannten "ambulanten" Hospizgruppen. Die Hospizidee ist die Antwort auf die große Lücke, die zwischen den Wünschen der Menschen und der Realität besteht! Denn bewusst und begleitet zu sterben, ist möglich.
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